Erscheinung des Herrn
– "Heilige drei Könige"

Am 6. Januar begeht die Kirche das Hochfest der "Erscheinung des Herrn", die volkstümliche Bezeichnung lautet "Fest der Hl. Drei Könige". Dieses Fest ist Ausdruck der Überzeugung, dass sich im Kind von Bethlehem Gott offenbart.

Die drei Magier und Weisen, die ungefähr seit dem 6. Jahrhundert Könige genannt werden, finden den Weg zum Kind in der Krippe. Sie kommen mit den drei Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe und gehen als Boten des Lichtes in eine dunkle Welt. Weil dieses Kind geboren wurde, gibt es für alle Menschen Hoffnung.

Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar werden den Weisen seit dem 9. Jahrhundert gegeben. Sie gelten als Vertreter der drei Rassen, der drei Erdteile und der drei Lebensalter. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es den Mohrenkönig.

Die Reliquien der "Heiligen Drei Könige" wurden in Mailand verehrt und 1164 nach Köln überführt, wo sie in einem Goldschrein im Dom aufbewahrt werden. Dadurch bekam die Verehrung der Heiligen Drei Könige in Deutschland großen Auftrieb.

Nach einer Legende nahm die Vorgängerkirche von St. Severinus in Erpel die Gebeine der Heiligen Drei Könige auf, als der Erzbischof Rainald von Dassel sie von Mailand nach Köln bringen ließ. Daran erinnern die drei Kronen im oberen Feld des Ortswappens, welche auch im Kölner Stadtwappen zu sehen sind.


Ortswappen von Erpel

Stadtwappen von Köln

Mit dem Dreikönigstag ist auch ein Haussegen verbunden. An der Eingangstür der Häuser werden die Jahreszahl und die Namen der Könige von den Sternsingern mit Kreide aufgezeichnet. Die Sternsinger werden vom Bischof der jeweiligen Diozöse ausgesandt. Sie ziehen von Familie zu Familie und verkünden den Menschen Gottes Frieden und erbitten Gaben für die Kinder in der Dritten Welt.

Auf die Türpfosten schreiben sie in diesem Jahr die Zeichen 20+C+M+B+02. Dies deuten viele als Caspar, Melchior und Balthasar. Das heißt aber: Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus im Jahr 2002). Manche Sternsinger lassen auch ein Dreikönigsbild als Erinnerungszettel zurück. Mit dem Geld, das die Sternsinger sammeln, werden Projekte in der Dritten Welt unterstützt.



Die Heiligen Drei Könige: Ein populärer Irrtum?

Die "Heiligen Drei Könige", deren Gebeine man im Kölner Dom verehrt, sind strikt gesehen keine Heiligen: Ein Heiliger oder eine Heilige muss von der Katholischen Kirche in einem eigenen Verfahren dazu erhoben werden und ein solches Verfahren hat es für die Heiligen Drei Könige nie gegeben.

Auch Könige sind die Herren Kaspar, Balthasar und Melchior nie gewesen – in der Bibel ist nur von "Weisen", "Magiern" bzw. "Sterndeutern" die Rede. Und auch die Namen selber sind erfunden, sie werden in der Bibel nirgendwo erwähnt. Zum ersten Mal ist in einer um 500 nach Christus in armenischer Sprache abgefassten Kindheitsgeschichte Jesu von den drei Königen Melkon von Persien, Gaspar von Indien und Baltassar von Arabien die Rede, vorher nicht. Der Evangelist Matthäus, der als einziger im Neuen Testament von der Anbetung berichtet, erwähnt mit keiner Silbe, wie die Anbeter heißen oder wie viele es überhaupt waren.

Dass es drei gewesen seien, wurde aus den drei Gaben – Weihrauch, Myrrhe, Gold – nicht ganz wasserdicht zurückgeschlossen (oder man hat die in der christlichen Mythologie so wichtige Zahl Drei auf die Anbetung im Stall zu Bethlehem übertragen). Zu Königen wurden die Sterndeuter erst in nachträglichen Interpretationen, u.U. wegen einer missverständlichen Übersetzung von "Magier" ("König" meinte zu Zeiten Jesu etwas ganz anderes als im Mittelalter, nämlich weit weniger: Fast jeder Vasall der Römer war damals ein "König") oder aber aufgrund einer Prophezeiung aus dem Alten Testament, wo es heißt: "Die Könige von Tarsis und auf den Inseln sollen Geschenke bringen ...".

Nach Köln kamen die Könige bzw. deren Gebeine im Jahr 1164 auf Veranlassung des Reichskanzlers und Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel. Er hatte sie einem Reliquienhändler in Mailand abgekauft, vielleicht sich auch von den Bürgern der Stadt Mailand schenken lassen – die näheren Umstände sind nicht genau geklärt. Die Mailänder hatten die Reliquien angeblich Ende des 4. Jahrhunderts selbst als ein Geschenk erhalten, und zwar vom Kaiser aus Byzanz, wohin wiederum sie aus Palästina gekommen sein sollen, wo sie die Mutter des Kaisers bei einer Pilgerfahrt gefunden haben will.

Aber was tun die Gebeine der Sterndeuter in Palästina? So heißt es etwa in der Bibel, die Weisen seien nach Anbetung in ihre Heimat, wahrscheinlich das Zweistromland Mesopotamien, zurückgekehrt, so dass dort auch ihre Knochen liegen. Und auch die Überführung von Konstantinopel nach Mailand ist nur in einer posthumen Biographie eines Mailänder Bischofs erwähnt, der "Vita Eutorgii", die mehrere hundert Jahre später ausgerechnet in Köln entstand. Vermutlich hat also Rainald von Dassel als rechte Hand des Deutschen Kaisers Friedrich I. Barbarossa diese Legende einfach politisch ausgenützt, um im damaligen Streit zwischen Papst und Kaiser seinem Herrn, dem Kaiser, einen Vorteil zu verschaffen. Die Könige, also die weltlichen Herrscher, waren die ersten, die das Christkind anbeteten, und haben deshalb, so die Logik Dassels, Vorrecht vor dem Papst. Daher ist auch klar, warum die Partei des Papstes keine Eile hatte, durch eine Heiligsprechung diese Sicht der Dinge zu fördern.

Quelle: Walter Krämer, Götz Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer: 500 kapitale Missverständnisse, Vorurteile und Denkfehler von Abendrot bis Zeppelin. Eichborn-Verlag, Frankfurt, 1996. 8. Aufl., S. 140 f.