Wenn die Kirchenglocken "singen"
Unkeler Zeitung Nr. 28 vom 12. Juli 2001 (Auszug)

Die melodischen Klänge werden durch Schlagen des Klöppels an die Glocken erzielt

Zum Fronleichnamstag, zu Weihnachten, bei Goldenen Hochzeiten oder zu anderen kirchlichen Anlässen wird auch im nördlichen Teil des Kreises Neuwied noch gebeiert.

Bei besonderen Anlässen steigen die Beierleute in den Glockenturm der Pfarrkirche, um hier mit handwerklichem Geschick und melodischer Kunstfertigkeit die Klöppel an die Glocken zu schlagen. Es ist ein melodisches, rhythmisches Schlagen mit dem Klöppel an die Glockeninnenwand, nach Notenvorgaben oder frei, um damit die wohltönenden Glockenklänge zu erzeugen. Der Rhythmus mit dem melodischen Gleichklang variiert dabei von Ort zu Ort.

 

Erfahrung ist nötig

 

Voraussetzung für diese Technik sind letztlich Erfahrung, musikalisches Gespür und eben das Feingefühl, zum rechten Zeitpunkt langsam oder schnell an die Glocke zu schlagen. Die Fertigkeit dabei ist, an eine ruhende Glocke (die vorher arretiert wird) den Klöppel der Glocke in einem bestimmten Zeitintervall an die Glockeninnenwand zu schlagen. Hierzu wird der Klöppel mit Seilen verbunden, und beispielsweise gleichzeitig zwei Glocken in einem bestimmten Rhythmus geschlagen. Dies bringt die Glocken zum "Singen".

 

Eine klangvolle Kunst

Wer sieht, wie konzentriert die Beierleute, zumal unter den schwierigen, engen Bedingungen im Glockenturm, alle erforderlichen Vorbereitungen treffen, um die Glocken zuerst zu arretieren und dann die Klöppel mit den Seilen zu befestigen, wird jene Männer in luftiger Höhe bewundern, die aus Überzeugung die Tradition des Beierns pflegen.

Ralf Hillen, Alfred Hess und Felix Walbröhl aus Rheinbreitbach beherrschen die schwierige Kunst des "Beierns"

 

Dazu gehören auch gemeinsame Ausflüge in andere Orte der Rheinregion, um von dortigen Beierleuten neue technische Nuancen zu erfahren. In verschiedenen Orten der VG Unkel wurde und wird noch zu unterschiedlichen Anlässen gebeiert.

So sind es in Erpel Karl Josef Dung, Willi Hirzmann, Norbert Schoch sowie Michael und Peter Kessler, die die klangvolle Kunst des Beierns beherrschen, erklärt der Erpeler Heimatforscher Willi Christmann († 2004). Es sind Bürger, die in ihrer Freizeit einer Tradition nachgehen, die über kirchliche Bereiche hinausgeht, und Christen beider Konfessionen – Protestanten und Katholiken – an die ursprüngliche Bedeutung der Glocken erinnern. Dazu gehören das Läuten bei Alarmen und Notfällen, aber auch der Aufruf zur Weinlese, und eben bei feierlichen Anlässen das Beiern sowie das Glockenläuten zur gemeinsamen Messe.

Text und Foto: Hans-Joachim Röder