Geologisch-ökologischer Wanderweg vorgestellt
Unkeler Zeitung Nr. 24 vom 14. Juni 2001

Die Verbandsgemeinde Unkel ist reich an idyllischen Wanderwegen, die vorbei an gut 120 Ruhebänken über 160 Kilometer durch die Ausläufer des Siebengebirges und des Westerwaldes ziehen. So auch der literarische Simrock-Freiligrath-Weg vom Menzenberg über Rheinbreitbach und Scheuren durch die historische Altstadt Unkels bis an die autofreie Rheinpromenade.

Seit kurzer Zeit ist nun noch eine weitere Strecke hinzugekommen – der "Geologisch-ökologische Wanderweg". Vorgetestet wurde er vor einigen Tagen vom Rheinbreitbacher Heimatverein und anderen interessierten Bürgern, darunter auch Verbandsgemeindebürgermeister Friedemann Schwarzmeier und der 2. Kreisbeigeordnete Dr. Heinz-Jürgen Scheid.

 

Gisela Born-Siebicke, Rainer Brach und Martina Robfleisch haben die Strecke ausgearbeitet

 

Auf eine Zeitreise durch 400 Millionen Jahre Erdgeschichte machten sich die Wanderer mit Gisela Born-Siebicke, die zusammen mit dem Unkeler Geodäten Rainer Brach und der Geografin Martina Rohfleisch die einzelnen Streckenabschnitte samt Informationen ausgearbeitet hat. Im Erdaltertum bildete die Unkeler Region den Grund eines seichten Meeresarmes, in den sich Flusssysteme ergossen," berichtete sie. Dicke Sedimentschichten mit reichen Fossilienfunden von Muscheln, Seelilien und elf verschiedenen Arten von Armfüßlern sind Zeugnisse aus dieser "dunklen" Vorzeit. "Conetes Unkelensis" ist eine der Armfüßlerarten, die nach der alten Rotweinstadt benannt ist und in der Region besonders häufig in Versteinerungen angetroffen wird. Als sich dann vor rund 320 Millionen Jahren das Meer zurückzog, wurden die Sedimentschichten seitlich zusammengedrückt und übereinander geschoben – das Rheinische Schiefergebirge entstand.

 

Schiefer beeinflusste Weinanbau

 

In den Klüften des aufgefalteten Gebirges stiegen aus der Tiefe kie selsäure- und metallhaltige Lösungen auf. Quarz- und Erzgänge bildeten sich Grundlagen für den späteren rheinischen Erzbergbau, während der Schiefer maßgeblich dem Weinanbau beeinflusst. "Von hier aus können Sie die Verwerfungen der Sedimentschichten besonders gut sehen," erklärte Born-Siebicke auf der Fußgängerbrücke über die B 42. Vor den Wanderern lag der Stux mit seinem, langgezogenen Südschenkel, auf dem noch heute Wein angebaut wird, und dem schroff zum Hähnerbachtal abfallenden Nordhang. Im Tertiär – vor 65 bis 1,8 Millionen Jahren – war die Gegend, eine weite Hochebene, wieder mit Wasser bedeckt. In dieser erstreckte sich der Urrhein in einem mehrere Kilometer breiten, subtropisch versumpften Trogtal von seiner Quelle beim heutigen Brohl bis zur seiner Mündung, die etwa in Höhe von Bonn lag. "Erst durch die Schollenbewegung in der Erdrinde und die Heraushebung der Alpen fand der Rhein seine heutige Quelle und sein heutiges Delta an der Nordsee," erklärte Siebicke.

 

Während der Eiszeit grub sich der Strom von seiner ursprünglichen Hochterrasse über die Mittelterrasse, auf denen sich später die Rheinburgen ansiedelten, und über die Niederterrassen allmählich in sein heutiges Flussbett in einer Bruchkante der Verwerfungen. Nur die 'Insel' Unkel samt den 'Unkelsteinen' blieb mitten im Strom stehen. Denn zwischen der Altstadt und dem Stux verlief früher ein flacher Flussarm, in den der Rhein bei extremem Hochwasser noch heute zurückkehrt," erinnerte die Wanderführerin.

 

Damit war die Exkursion auf ihrer Zeitreise im Jahr 25 Millionen angekommen, einer Zeit, in der Vulkanismus die Region veränderte. Hochgeschleudert aus den Kratern senkte sich fruchtbarer Löss auf die Gegend, Trachyte und Latite, vor allem aber der Basalt entstanden. "Hier stehen wir auf einem der markantesten Basaltkegel, der Erpeler Ley, die Dank der Bemühungen einer Remagener Bürgerinitiative Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten blieb," berichtete Born-Siebicke.

 

Unkelsteine mussten weichen

 

Ohne deren Einsatz wäre auch dieser markante Aussichtspunkt abgebaut worden. Wirtschaftlichen Überlegungen mussten auch die großen Unkelsteine weichen, die selbst bei hohem Wasserstand 17 Meter vom Ufer entfernt aus dem Strom ragten. Unter französischer und später unter preußischer Regierung wurden sie gesprengt, weil sie die zunehmende Rheinschifffährt gefährdeten.

Test-Wanderung des Heimatvereins Rheinbreitbach

Mitglieder des Rheinbreitbacher Heimatvereins und interessierte Bürger testeten den geologisch-ökologischen Wanderweg

 

 

 

Steine erzählen Geschichten

 

"Eigentlich sind es zwei Wanderwege, die unter dem Thema 'Steine erzählen Geschichte' zusammengefasst werden," erklärte Gisela Born-Siebicke.

 

Erpeler Ley

so zum Beispiel die Erpeler Ley und ...

 

Stux ("Heisterer Ley")

... der Stux

 

Schon ein Gang durch die Innenstadt zeige deutlich die Wechselwirkung zwischen den natürlichen Gegebenheiten der Region und dem Ort – angefangen beim Basalt oder Schiefer als Baustoff bis hin zu den alten Weinhöfen. Darauf aufbauend führt ein Wanderweg vorbei an den charakteristischen Zeugnissen der verschiedenen Erdzeitalter vom Stux über das Hähnerbachtal durch die "magere" Bruchhausener Heide und das "fruchtbare" Orsberger Feld zur Erpeler Ley und über die Niederterrassen des Rheins mit ihren teils noch erhaltenen Streuobstwiesen zurück nach Unkel. "Zu sehen gibt es überall etwas in der Landschaft rund um die VG Unkel, das die Zusammenhänge zwischen der geologischen Beschaffenheit der Landschaft und ihrer Nutzung durch den Menschen erkennen lässt", erklärt Born-Siebicke.

 

Wanderkarte und Broschüre sind in Vorbereitung

 

Damit dies auch dem Laien leichter fällt, ist eine erläuternde Broschüre samt einer genauen Wanderkarte in Arbeit. "Die geologischen Gegebenheiten haben über die verschiedenen Wirtschaftszweige unser Leben maßgeblich bestimmt und damit gehören sie auch zu unserer Geschichte. Gleichzeitig werden uns durch die Kenntnisse auch Grenzen in unserem heutigen Handeln aufgezeigt," führte sie weiter aus. Dass eine Straße nicht immer geradeaus, auf dem kürzesten Weg zum Ziel führen müsse, hätten unsere Vorfahren genau gewusst. Um von Unkel nach Bruchhausen zu kommen, seien sie nicht durch das Hähnerbachtal gegangen, sondern hätten den Umweg über Rheinbreitbach oder über Orsberg vorgezogen, erinnert sie. Wie wenig geeignet die direkte Verbindung in den alten Wallfahrtsort ist, gerade bei dem heutigen Verkehrsaufkommen, zeige sich an den schweren Schäden, die zur Zeit die Landesstraße kaum passierbar machen.

 

Text und Fotos (außer Erpeler Ley): DL