"Kalinka" war der Hit des Abends
Unkeler Reporter Nr. 6 vom 6. 2. 2003

Schwarzmeer Kosaken begeisterten Besucher der St. Severinuskirche

In der St. Severinuskirche hatten sich zahlreiche Anhänger der russischen Chormusik eingefunden. Der Schwarzmeer Kosaken-Chor gastierte nicht zum ersten Mal in Erpel. Die Geschichte berichtet, dass die Kosaken schon immer ein tapferes Reitervolk waren, die ihre Heimat verteidigt und für die Freiheit des russischen Volkes gekämpft haben. Ihr Oberhaupt war der Ataman. Das Wort ,Kosak" bedeutet "Freier Mensch". Sie lebten in den Steppen am Don, Dnjepr, am Ural und an den Ufern der Wolga und erweiterten im 16. und 17. Jahrhundert ihr Territorium.


Die Schwarzmeer Kosaken begeisterten das Publikum nicht nur durch die Stimmen, sondern auch durch schauspielerisches Talent

Die Kosaken drückten ihre Freuden und ihr Leid in ihren Liedern aus, deren Inhalt man in eine andere Sprache niemals so übersetzen könnte, wie es nur eine russische Seele in Worte fassen kann. Der Gesang hat ihnen über so manche Lebenskrise hinweggeholfen. In ihrer Musik gehen tiefe Melancholie mit überschäumendem Temperament eine faszinierende Ehe ein.

In der Kirche wurde es plötzlich mucksmäuschenstill, als die Männer mit dem "Lied der Begrüßung" zum Altar schritten. Der erste Teil des Konzertes war der alten russischen Liturgie gewidmet. Ermanuel Schewkenov führte mit sehr viel Engagement und in einem erstaunlich guten Deutsch durch das Programm. Die Sprache dieser Lieder ist vorwiegend Altkirchenslawisch, das an den Universitäten neben dem Hauptfach Russisch gelehrt wird. Feierliche Lieder wie "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen " (1. Psalm Davids), "Wir singen Dir" wurden mit viel Gefühl vorgetragen. Oft trat einer der Sänger als Solist auf und wurde summend vom Chor begleitet.

Das besondere an den Kosaken ist das Stimmvolumen der einzelnen Sänger, die natürlich alle eine abgeschlossene Gesangsausbildung haben. Nicht weniger feierlich war das "Vater unser" (Otsche nasch) des russischen Komponisten Nikolai A. Rismsky-Korsakov. Die Musik von Dimitri Bornjanski "Ich bete an die Macht der Liebe", erzeugte eine wahre Gänsehautatmosphäre. Das Publikum war zutiefst beeindruckt. Von diesem Komponisten stammt auch die "Cherubim-Hymne". Das Publikum schenkte den Sängern den verdienten Applaus.

Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Lied "Barinja" weiter. Es erzählt von einem Mädchen, dessen Liebster an ihrem Grab sitzt und trauert. In der "Stille der Nacht" erklingt das Lied der Nachtigall. Besonders auffallend war Iskarider Touriare , der die Hörer mit seiner faszinierenden Tenorstimme verzauberte. So wie er "Eintönig klingt das Glöckchen" vortrug, hat man es noch nie zuvor gehört. Ob in leisestem Piano oder im Fortissimo, es war einfach ergreifend. Aber auch die übrigen Stimmen im Hintergrund die ebenso im Pianissimo den Solist begleiteten, verdienen hier ein großes Lob.

"... und Staub steigt den Fahrweg entlang, und wehmutsvoll über den Fluren trägt der Wind des Fuhrmanns Gesang. Wie viel Seele enthält diese Weise, wie viel Gram dieser Heimatklang! In der Brust, die kalt und verhärtet, ward' das Herz mir so weich und so bang ... Aus den Augen, den längst schon versiegten, brechen Tränen mit Gewalt." Nach diesem Text traute sich das Publikum kaum zu applaudieren, doch nach einigen Augenblicken der Erholung gab es für die Sänger tosenden Applaus. Die jungen Sänger strahlten vor Freude und stimmten das Lied "Die Legende von den 12 Räubern" an, das ebenfalls mit tosendem Applaus endete.

Im zweiten Teil entdeckte man bei den Sängern auch viel schauspielerisches Talent. Mit ihrer Mimik und ihren Gesten brachten sie bei den lebhafteren Liedern das Publikum oft zum Lachen, das ebenfalls auch oft spontan applaudierte. Im Repertoire der Sänger finden sich auch sehr bekannte Russische Lieder wieder: "Das Lied der Kosaken am Don", "Die Wolgaschlepper", "Abendglocken" und "Stenka Rasin" sind nur eine kleine Auswahl. Als der Chor "Kalinka" anstimmte, klatschte das Publikum und sang lauthals mit. Das Finale des Konzertes bildete das Weihnachtslied "O du fröhliche", das der Kirchenchor und der Kosakenchor gemeinsam sangen. Mit einem nicht enden wollendem großen Schlussbeifall und "Standing Ovations" endete ein außergewöhnlicher Abend. Hans Simon, der 1. Vorsitzende des Kirchenchores bedankte sich bei den Sängern für ihre hervorragende Leistung.

Text und Foto: - UB -