Städtchen und Dörfer um Bonn: Erpel
Ausschnitt aus der Deutschen Reichszeitung Nr. 245 vom 17. Oktober 1924

... Der Weg zum Rhein führt über historischen Boden, über römisches Lagergebiet, durch die römischen Reservestellungen gegen das feindliche Germanien, um mit modernen Worten zu sprechen, führt hinauf zu einem steilen, jäh zum Rhein hin abfallenden Felsvorsprung, zur Erpeler Ley, auf der an der selben Stelle, wo vor wenigen Jahren noch Oster- und Martinsfeuer abgebrannt wurden, vor 76 Jahren als Wahrzeichen des Gaues eine große schwarz-rot-goldene Flagge wehte.

Hinter der Erpeler Ley verbirgt sich, von dem gewaltigen Felsen und den anschließenden Rheinhöhen umgeben, das so malerische und reizvolle Erpel.

1116 als Herpille und 1167 als villa Herpell bekannt, liegt Erpel in der Mitte der drei für den näheren heimisch-romantischen Rheinzauber bedeutungsvollen Stimmungsidyllen Unkel, Erpel, Linz.

Mit den beiden Nachbarorten, besonders mit Linz, hat Erpel einen großen Teil der Geschichte gemeinsam, die in politischem Rahmen gesehen, die Geschichte des Erzbistums Köln ist. Wie bei vielen rheinischen Städten ist auch in Erpel immer wieder der Kampf des Bürgertums mit dem Domkapitel zu beobachten. Dem Domkapitel wurden in Erpel Versprechen und Bauunterpfände gegeben, und immer wurden sie gebrochen, bis Erpel sich als freie Bauernvogtei durchsetzen konnte.


Die Erper Ley auf einer Radierung von Prof. Heinrich Reifferscheid aus dem Jahre 1921


... und wie sie sich dem Betrachter heute darstellt

Ganz vom Zauber heimatlicher Schönheit und heimischen Eigenlebens umwoben erschien mir Erpel, als ich an einem Maiensonntag durch weitklingende Dorfmusik angelockt, mich von einem Fährmann in blauem Kittel über den Rhein dem festlichen Dorfe zurudern ließ. Straße um Straße, Haus um Haus stand in frischem Maiengrün. Junge Bäumchen, in denen der Duft frisch geschossenen Maiensaftes lag, gaben dem Dörfchen das Aussehen eines von feinen Kinderhändchen aufgestellten Dorfbaukastens, in dem Grün und Weiß und Schwarz und Rot sich bunt abwechseln. Das Weiß und Schwarz der Fachwerkhäuser lugte frisch geputzt unter dem Grün der Maien hervor, zu dem das Rotbraun der Ziegeldächer, mit dunklem Moos behangen, sich traulich abstimmte. Und wenn auch immer ich nach Erpel kam, das Fachwerk erschien mir gleich blank, als ob es jeden Samstag mit den Stuben aufs neue geputzt würde. Es ist eine Eigenart für Erpel, daß hier die Häuser durchweg auf den einen Ton Schwarz-Weiß gehalten sind, was den Straßenbildern etwas Feierlich-Festtägliches gibt.

Von den Dorfplätzen ist der am Ausgang des Ortes nach Linz hin gelegene der reizvollste, wo sich um ein Dreieck schmucke Fachwerkhäuser mit einer alten Pumpe und noch älteren Linde in der Mitte zu einem Stück mittelalterlicher Bürgerromantik vereinen. Aus den so ruhig dahinziehenden Straßen ragen drei Bauwerke, den erfreulich gleich gestimmten Ton des Ortes überstimmend, wie scharfe Akzente eigenwillig heraus: das barocke freistehende Rathaus, mit einer großen Geste des 18. Jahrhunderts etwas mitleidig auf das Kleinbürgerleben herabblickend, das Stadttor nach Unkel hin, wie gegen Köln, innerlich verbittert und äußerlich trotzend, abwehrend und die sich um weltliche Dinge nicht kümmernde Kirche.


Der Marktplatz im Sommer 2001

Dem hl. Severinus geweiht, anfangs einschiffig in romanischem Stile gebaut, ist sie in späterer Zeit vielfach verändert und leider auch verdorben worden.

Als ich den Pfarrer von Erpel bat, mir etwas von den Kirchenschätzen zu zeigen, fiel mir neben der reich gearbeiteten Monstranz aus dem Ende des 16. Jahrhunderts ein Meßbuch auf, das laut einer Inschrift 1420 von einem Rektor Chrispian zu Bruchhausen geschrieben worden ist ...

Text: Dr. Otto Peters / Stadtarchiv Bonn 41/23 c (Auszug)

 

Ich danke dem Heimatforscher Willi Christmann († 2004), der mir diese Information zur Verfügung gestellt hat.