Rheinschwimmen:
Ein grandioses Naturerlebnis in den Wellen
Unkeler Reporter Nr. 34 vom 22. August 2002

Was in früheren Jahren wohl etwas übertrieben dargestellt wurde, sollte sich beim Rheinschwimmen des Unkeler Kanuclubs bewahrheiten. Fast ein Meter hohe Wellen erwarteten die tapferen Schwimmer und Schwimmerinnen, die sich von der Natorampe in Erpel unterhalb der schwarzen Türme der ehemaligen Ludendorff-Brücke in die braunen Fluten warfen. "Es ist gerade dieses grandiose Naturerlebnis der Wellen und der Strömung, welches das Rheinschwimmen für mich so attraktiv macht", erklärte eine Teilnehmerin kurz vor dem Start, den Organisator Gregor Schulte vom KC vornahm.


675 Schwimmer nahmen am diesjährigen Rheinschwimmen teil

Und trotz der braunen Färbung des Wassers sei sie sich sicher, dass der Rhein sauberer sei als so manches Freibad, fügte sie hinzu. Dafür führte der dieses Jahr zwar kein Hochwasser, aber ungewöhnlich hoch für die Jahreszeit waren die Fluten des Rheins angestiegen. "Halten sie sich nach dem Start direkt Richtung Strommitte, damit sie nicht in die Strudel im Bereich der Rampe geraten", warnte deshalb Rudolf Weichsel als Sicherheitsbeauftragter des Vereins die Schwimmer.

"Außerdem müssen sie etwa 500 Meter vor dem Ziel am Clubheim direkt auf das Ufer zuschwimmen. Wer weiß wo sie sonst an Land kommen bei der Strömung, denn die ist viel stärker als sonst. Der Rhein fließt drei Stundenkilometer schneller", riet er eindringlich. "Möglicherweise sind deshalb auch dieses Jahr mit 675 Schwimmern etwas weniger Teilnehmer angereist als die Jahre zuvor", mutmaßte Gregor Schulte. In Unkel kursierte sogar Tage zuvor das Gerücht, das 9. Rheinschwimmen des Kanuclubs müsse wegen der starken Strömung abgesagt werden.

Grünes Licht

Aber nach einem Testschwimmen Mitte der Woche konnten die Experten grünes Licht geben, zumal die Schwimmer von Kanusportlern des Vereins sowie von Boote der Remagener Wassersportler, der Feuerwehren aus Unkel und Kripp sowie der DLRG eskortiert wurden. Und über allem wachte zudem die Wasserschutzpolizei. So konnten sich die Schwimmer der ersten Staffel, unter ihnen Bürgermeister Werner Zimmermann zusammen mit Sohn Werner, seines Zeichens Unkeler Bürgerkönig, pünktlich um 13.30 Uhr in mehrere Gruppen eingeteilt bei herrlichstem Sonnenschein in die 23 Grad warmen Fluten stürzen. Ganz Vorsichtige hatte sich mit "Schwimmflügelchen" gesichert, andere nahmen Krokodile und Delfine mit auf die rund drei Kilometer lange Reise.

Einige schienen sogar reif für die aufblasbare "Insel mit Palme" zu sein. Angekommen sind sie aber alle, die schnellsten Schwimmer mit oder ohne Flossen nach gut 25 Minuten, gemütlich "paddelnd", das Sich-Treiben-lassen in der Strömung genießend etwa später die anderen.

Vitaminstöße

Nach einer kräftigen Dusche ging es zur Desinfektionsstelle, die mit Hochprozentigem oder Vitaminstößen auf die Sportler wartete. Die waren von einer begeisterten Menschenmenge bereits sehnsüchtig erwartet und mit entsprechend lebhaftem Applaus empfangen worden. Volksfeststimmung herrschte so rund um das Clubheim, die von den "Lau-Sitzern" mit schmissiger Musik noch aufgeheizt wurde. Trotz aller guten Stimmung vergaßen die Kanufreunde, als Unkeler Hochwasser erprobt, nicht die Opfer der Flutkatastrophe in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Den gesamten Erlös des Festes, vor allem aus dem Verkauf der Tombola-Lose, werden sie zur Unterstützung der Menschen in den am stärksten betroffenen Gebieten spenden. Und auch die lustigen Musikanten werden ihre Festvergütung diesem guten Zweck zur Verfügung stellen.

Dann aber gewann beim schon traditionellen "Rheinischen Nachmittag" am Bootshaus doch wieder die fröhliche Stimmung die Überhand. Mit Spannung warteten Gäste und Teilnehmer am Rheinschwimmen, die alle stolz ihre Urkunde in Händen hielten, auf die Ehrung der "besonderen" Rheinschwimmer. So konnte Gregor Schulte den Vertretern der Wassersportfreunde aus Remagen und Oberkassel den Preis für die größte Gruppe überreichen. Mit jeweils annähernd 40 Mitgliedern waren sie dabei gewesen. Teilen mussten sich die Preise der jüngsten Schwimmer auch die beiden sechsjährigen, Jakob Göbel aus Bonn und Yannick Weber aus Unkel.

Internationale Beteiligung

Dagegen war die vierjährige Ittenbacherin Julia Schimanietz eindeutig die jüngste Teilnehmerin. Wie bereits im Vorjahr konnte der Essener Karl Ruhrmann, für Gregor Schulte schon ein alter Bekannter, den Preis für den ältesten Rheinschwimmer in Empfang nehmen, während Annemarie Ten Haaf aus Bad Honnef, ebenfalls eine überzeugte "Wiederholungstäterin" mit 80 Jahren dieses Jahr die älteste Teilnehmerin war. "Bei der Ermittlung der Teilnehmer, die die weiteste Anreise hinter sich haben, braucht sich keiner aus Deutschland zu melden", erklärte Gregor Schulte einer schon siegesgewissen Kielerin.

Internationale Beteiligung am Rheinschwimmen des Kanu-Clubs hat schon Tradition. So war Viviana Hanke aus Portugal angereist, während Angel Jesus Cuenca Cajigal sogar das schöne Kuba verlassen hatte, um im romantischen Rhein zu baden.

Text und Foto: - DL -