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Hat das Opfer, ein
elfjähriger Junge, versagt? fragt sich Wiedmann und beantwortet seine Frage
gleich selbst: "Nein. Niemals." Hier handele es sich um gesellschaftliches
Versagen. Kinder müssen eine Bundesstraße überqueren, die Haltestelle liegt
außerhalb der Ortschaft, erst vor der Haltestelle wird das Tempo auf 70 Stundenkilometer
reduziert, die Beleuchtung ist jämmerlich: Er zählt auf, was ihn stört.
Die meisten Kinder
werden indes nach den Weihnachtsferien nicht mehr über die B 42 zum Bus gehen
müssen. In Absprache mit Gemeinde, Polizei, Straßenbehörde, Kreis und Busunternehmer
Martin Becker wird ab Montag, 7. Januar 2001, morgens und mittags der Bus
nach und von Linz die Haltestelle am Erpeler Neutor anfahren. Das teilte Ortsbürgermeister
Edgar Neustein am Mittwochnachmittag mit.
Ein nächster Schritt
werde sein, gemeinsam mit Becker über die Verlegung aller Linien nachzudenken.
Auch für die rheinnah vor dem Ortseingang wohnenden Bürger gibt es positive
Nachrichten. Im Rahmen der Höherlegung der Bundesstraße wird eine Verkehrsinsel
als Fahrbahnteiler eingebaut, der das Überqueren der "B" leichter und ungefährlicher
machen soll. Das teilte Peter Moritz am Mittwoch mit.
Für den Leiter des
Koblenzer Straßen- und Verkehrsamtes ist der Fahrbahnteiler eine bessere Lösung
als ein Zebrastreifen, weil der Fußgänger jeweils nur den Verkehr auf einer
Fahrspur beobachten müsse. Zebrastreifen würden zu häufig als eine Art grüner
Ampel betrachtet, meint Moritz.
Neustein ist erleichtert,
dass jetzt "Konsequenzen gezogen" worden sind. Vor allem die Verlegung der
Haltestelle sei nachdrücklich gefordert worden. Allerdings führe mehr Verkehr
im Ort dort auch wieder zu mehr Gefährdung, befürchtet er. Für Wiedmann kommen
alle Maßnahmen zu spät, auch wenn er sie gut heißt. "Ich muss doch an Schlüsselstellen,
wie etwa Straßenüberquerungen, für die Kinder vordenken", sagt er.
So ein Ortstermin müsse
doch präventiv, also vorbeugend, veranstaltet werden, fordert er. Wie das
gehen könnte, erläutert er am Beispiel der Unfallstelle: "Man darf nicht sagen,
hier ist kein Unfallschwerpunkt. Man muss sagen, hier haben wir eine Stelle
gefunden, wo es gefährlich ist, über die Straße zu kommen."
Jedenfalls will Wiedmann
mit anderen Eltern in irgendeiner Form eine Initiative gründen, so in der
Art einer Björn-Steiger-Stiftung vielleicht. "Wir formieren uns sehr sensibel,
um auf die Eltern und den Bruder des verunglückten Kindes Rücksicht zu nehmen.
Unser Ziel
ist es, Trauer und Ohnmacht in Tätigkeit umzuwandeln."
Text:
Hans-Joachim Wimmeroth
"...
kein Unfallschwerpunkt ..."
Unkeler
Zeitung Nr. 2 vom 10. Januar 2002
Leserbrief:
Stellungnahme Unfalltod eines Kindes auf der B 42
Obwohl es an dieser
Stelle einen Unfall mit tödlichem Ausgang gab, obwohl es vor einiger Zeit
ebenfalls beim Versuch, die B 42 zu überqueren (zwar nicht an der identischen
Stelle, aber im gleichen Abschnitt der Straße) einen Unfall mit schwerer
Körperverletzung gab, obwohl es fast täglich Fast-Unfälle gibt, obwohl
es selbst für einen Erwachsenen kaum möglich ist, hier oder anderswo in
Erpel die B 42 zu überqueren, behaupten die Verantwortlichen, hier gäbe
es keinen Unfallschwerpunkt. Wie viele Tote und Verletzte bedarf es, dass
ein Straßenabschnitt als Unfallschwerpunkt bezeichnet wird???
Dürfen wir als
Gesellschaft es uns leisten, eine Straße erst dann sicher zu gestalten,
wenn sie zum Unfallschwerpunkt geworden ist?
"...
kein Handlungsbedarf, weil kein Unfallschwerpunkt ..."
Wie absurd diese
Aussage ist, zeigt nachfolgendes Beispiel:
Ein Haus
hat mehrere Fenster zum Garten hin, von der Straße nicht einsehbar. Jedermann
wird diese Fenster nachts und bei Abwesenheit sichern, auch wenn es bis
dahin noch keinen Einbruch oder Einbruchversuch durch diese Fenster, in
dieses Haus oder gar in diesem Stadtteil gab. Allein die Gefährdung reicht
hier aus, um zu handeln. Natürlich würde man die Fenster erst recht sichern
und einbruchsicher machen, wenn es zu einem Einbruch gekommen war. Und
zwar nicht nur das Fenster, durch das die Einbrecher einstiegen, sondern
alle Fenster des Hauses. Man würde nicht warten, bis ein und dasselbe
Fenster "Einbruchschwerpunkt" wäre, d.h. an diesem Fenster es mehrmals
hintereinander Einbrüche gegeben hätte. Alles andere wäre verantwortungslos
und töricht!
Übertragen auf
den Straßenverkehr würde das heißen:
1) Wir würden alle Straßen und Überquerungen
so sicher wie möglich machen, auch wenn es bisher noch nie zu einem Unfall
gekommen ist. Allein die Gefährdung begründet Aktionen.
2) Bereits nach einem Unfall würden wir die
Situation überprüfen und die Sicherheit sofort verbessern. Wir würden
also nicht warten, bis es zu mehreren Unfällen gleicher Art an identisch
der gleichen Stelle kommt. Wir würden den gesamten Abschnitt sichern.
3) Wir würden alle ähnlichen Bereiche im
Straßenverkehr ebenso nachbessern, weil wir die Erfahrung nutzen würden
und sie auf anderer Bereiche übertragen. Oberstes Gebot: Prävention.
Wer so
handelte, wäre verantwortungsbewusst und klug. Doch was machen wir? Was
macht unsere Gesellschaft? Wir schützen
unsere Sachwerte mehr als unser Leben! Freie Fahrt für freie Bürger!
Mein
Appell an alle Mitmenschen:
Aufwachen! Verantwortung zeigen und übernehmen! Nicht erst handeln, wenn
es zu spät ist!
Prioritäten setzen! Die Sicherheit eines jeden Verkehrsteilnehmers, vor
allem unserer Kinder, ist wichtiger als der Verkehrsfluss!
Wenn unsere Behörden es nicht schaffen, Vorgaben zu machen: Fahren wir,
fahren Sie langsam und bremsbereit! Was viele Autofahrer wohl vergessen
haben: Die Geschwindigkeiten auf den Schildern bedeuten Höchst- und nicht
Mindestgeschwindigkeiten!
Mein
Appell an die Behörden:
Nehmen Sie bitte die Anfragen und Eingaben der Bürger ernst. Auch wenn
sie vom Schreibtisch aus gesehen vielleicht überzogen scheinen! Rasches
Handeln, nachdem etwas passiert ist, ist zwar begrüßenswert, doch zu handeln,
bevor etwas passiert, wäre noch besser!
In allen Bereichen unseres Lebens betreiben wir Vorsorge. Bereits ein
Vorfall reicht aus, um Vorgänge und Ursachen zu untersuchen. Nur im Straßenverkehr
heißt es meist lapidar: "... kein Unfallschwerpunkt ..."
Was wohl meine Hausratversicherung sagt, wenn ich nach einem Einbruch
durch mein geöffnetes Fenster sage: "... war und ist kein Einbruch-Schwerpunkt
..."????
Claudia
Schaube, Linz/Rhein
Überquerungshilfen
erforderlich
Unkeler Zeitung Nr. 9 vom 28. Februar 2002
Ende November 2001
kam es auf der B 42 in der Nähe des Ortseingangs von Erpel in Richtung
Unkel zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein 11-jähriges Kind getötet wurde,
als es die Straße überquerte. Nach dem tragischen Vorfall setzen sich
nicht nur die betroffenen Eltern, sondern auch Anwohner für geeignete
Maßnahmen zur Entschärfung der Verkehrssituation ein.
Nach Absprache
mit der Kreisverwaltung nimmt der Schulbus morgens und mittags eine andere
Fahrtroute als vorher. Diese Maßnahme war aber für die Mutter des Unfallopfers
noch nicht weitgehend genug, denn ihrer Meinung nach sind ältere Menschen,
aber auch jüngere Personen, die zum Rhein spazieren wollen, nach wie vor
gefährdet, da sie die viel befahrene Straße nur unter beschwerlichen Umständen
überqueren können. Ein von der Mutter vor kurzem aufgestelltes Warnschild
hat bereits bei einigen Autofahrern erste Wirkung gezeigt.
Entschärfung
gefordert
Ein Ehepaar, dass
in unmittelbarer Nähe der Unglücksstelle wohnt, hat sich Anfang Dezember
an das Verkehrsministerium in Mainz gewandt, auf den tödlichen Verkehrsunfall
hingewiesen und den zuständigen Minister gebeten, umgehend für eine Entschärfung
der Verkehrssituation im Unfallbereich aktiv zu werden, damit die Sicherheit
der Fußgänger und besonders der Kinder auf ihrem Schulweg zukünftig gewährleistet
ist. In der Vergangenheit hätten sich in diesem Bereich immer wieder Unfälle
ereignet, da dieser Abschnitt stark durch Fußgänger genutzt würde. Auch
Kommunal- und Landespolitiker wurden über das Schreiben des Ehepaars informiert.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Erwin Rüddel war nach einer ersten Prüfung
der Angelegenheit der Auffassung, dass sich die Verkehrssituation am Ortsausgang
von Erpel ändern muss und hat sich gleichermaßen mit Verkehrsminister
Bauckhage in Verbindung gesetzt, das Ansinnen des Ehepaars nachhaltig
unterstützt und um eine Prüfung der Verkehrssituation im Erpeler Bereich
gebeten. Verkehrsminister Bauckhage hat dem Abgeordneten Rüddel jetzt
geantwortet.
Einvernehmliche
Auffassung
Nach einer Mitteilung
der Kreisverwaltung Neuwied habe aufgrund des geschilderten Verkehrsunfalls
am 10. Dezember ein Ortstermin der zuständigen Fachbehörden. Dabei seien
alle Beteiligten einvernehmlich der Auffassung gewesen, dass der Unfall
auf ein bedauerliches Fehlverhalten des Jungen beim Überqueren der Fahrbahn
zurückzuführen sei. Zwischen dem Unfall und der derzeitigen Baumaßnahme
auf der B 42 habe danach kein unmittelbarer Zusammenhang bestanden. Als
wesentliches Ergebnis der Ortsbesichtigung sei festzuhalten, dass die
Bushaltestelle im Zuge der B 42, an der sich der Verkehrsunfall ereignete,
für Schülertransporte nicht mehr genutzt würde. Seit Wiederbeginn der
Schule am 7. Januar fahre der eigens für den Schülerverkehr eingesetzte
Linienbus morgens und mittags durch die Ortslage Erpel; die entsprechende
Haltestelle befinde sich am Neutor in Erpel. Die Verlegung der Bushaltestelle
für alle Verkehre würde für Ende des Jahres im Rahmen der Neuaufstellung
des gesamten Fahrplankonzeptes angestrebt.
Keine
Unfallhäufung
Seitens der Polizei
sei darauf hingewiesen worden, dass es sich bei dem betroffenen Streckenabschnitt
der B 42 im Übrigen nicht um eine Unfallhäufungsstelle handele. Die Bushaltestelle
bestehe seit ca. 30 Jahren, ernstzunehmende Verkehrssicherheitsprobleme,
insbesondere Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern, habe es dort bisher
nicht gegeben. Die Errichtung einer Überquerungshilfe auf der B 42, die
von den Eheleuten Fassbender angeregt wurde, sei im Rahmen des Ausbaues
der Ortsdurchfahrt vorgesehen, allerdings nicht im unmittelbaren Bereich
der Haltestelle, an der der Unfall geschehen sei, sondern im Bereich der
in die B 42 einmündenden Rheinstraße. Der zur Zeit durch die Baumaßnahme
vorübergehend nicht nutzbare Fußgängerüberweg werde nach Abschluss der
Bauarbeiten, der für Mitte Juli 2002 angestrebt sei, umgehend wieder eingerichtet.
MdL Rüddel hält nach wie vor im Gefahrenbereich der B 42 kurzfristige
weitergehende Verkehrssicherungsmaßnahmen für erforderlich und will sich
für den ausreichenden Schutz, insbesondere der Fußgänger im Gefahrenbereich
der B 42 einsetzen.
Man
sollte alle Schulwege unter die Lupe nehmen
Unkeler
Reporter (früher Unkeler Zeitung) Nr. 10 vom 7. März 2002
Leserbrief:
Stellungnahme zum Thema "Überquerungshilfe an der B 42 in Erpel"
In der letzten
Ausgabe wurde über den tödlichen Unfall vom November 2001, Eltern- und
Bürgerinitiativen, sowie Behördenreaktionen berichtet. Dabei wird wieder
vom Ortstermin der zuständigen Fachbehörden vom 10. Dezember 2001 zitiert,
nachdem alle Beteiligten der Meinung waren, Unfallursache war das "bedauerliche
Fehlverhalten des Jungen". Diese Aussage kann ich nicht unwidersprochen
akzeptieren.
Da macht man es
sich sehr einfach, um von den ursächlichen Dingen abzulenken. Die Bushaltestelle
liegt außerorts. Von Unkel kommend ist eine ca. 600 Meter lange Gerade,
die zulässige Geschwindigkeit von 100 km/h wird kurz vor der Unfallstelle
auf 70 km/h reduziert. Die Bushaltestelle ist nahezu unbeleuchtet, ein
Hinweisschild auf Schulkinder fehlt. Weit und breit gibt es keinen Fußgängerüberweg,
keine Ampel, absolut nichts. Der Unfall geschieht kurz nach sieben Uhr
morgens, bei völliger Dunkelheit und feuchter Witterung. In beiden Richtungen
fließt starker Berufsverkehr. Die richtige Einschätzung der Geschwindigkeit
von Fahrzeugen, vor allem bei Dunkelheit und schlechter Witterung ist
nach Aussagen von Verkehrsexperten gerade für Kinder extrem schwierig.
Der 11-jährige Junge hatte örtlich schlechteste Voraussetzungen.
Das bedauerliche
Fehlverhalten passierte früher und ist an anderer Stelle zu suchen. Die
Einrichter und Betreiber der Bushaltestelle, sowie zuständige Behörden
haben hier eine brisante Gefahrenstelle geschaffen, bzw. nicht erkannt.
Das Opfer, ein Kind, ist unschuldig! Der Übergang von Erpel zum Rheinufer,
zu den Fußwegen nach Unkel und in Richtung Linz, zu den Wohnhäusern auf
der Flussseite von Erpel, sowie zu der betroffenen Bus-Haltestelle wurde
jahrelang nicht gesichert. Die Überquerung von der Rheinstraße kommend
ist nicht nur für Kinder, sondern für alle Bürger und Besucher ein großes
Risiko. Es grenzt an ein Wunder, dass bisher an dieser Stelle kein Unfallschwerpunkt
entstanden ist. Doch muss es immer erst so weit kommen?
Zurück zum Thema
Schulweg-Sicherheit. Im Blick nach vorne appelliere ich an alle Behörden,
Bürgermeister und Gemeinderäte: "Prüfe man die Schulwege, alle Bushaltestellen
und die Umgebungen der Schulen auf mögliche Gefahrenstellen. Man sollte
jetzt nicht nur den gerade im Rampenlicht stehenden Unfallbereich, sondern
präventiv alle Schulwege unter die Lupe nehmen". Dass man rasch handeln
kann, wurde ja an der schnellen Verlegung der Schulbushaltestelle bewiesen.
Doch vorher ist besser als nachher. Kinder müssen eine höhere Priorität
haben als schnell und unbehindert fließender Verkehr!
Mein besonderer
Aufruf geht an alle Eltern: "Schauen sie genau hin, zeigen sie Gefahrenstellen
an, organisieren sie sich und geben sie nicht nach. Rütteln sie notfalls
Behörden und Ämter wach, kein weiteres Kind darf dem Verkehr geopfert
werden."
Rudi
Wiedmann, Erpel
Noch
mehr Gefahrenpunkte
Höherlegung
und Sanierung der B 42
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