Bürgermeister rühmt Erpels Weinköniginnen
General-Anzeiger Bonn vom 27. August 2001

Brauchtum: Sabine I. gekürt
– Weinfest im September

Die Regentin der "Alten Herrlichkeit Erpilla" während des Weinfestes am dritten Septemberwochenende heißt Sabine Kloos. Im Rahmen eines dreistündigen Festprogramms präsentierte der Brauchtumsverein "Freunde des Erpeler Weinfestes" am Samstagabend im Bürgersaal die neue Majestät der Bevölkerung. Begleitet wird Sabine I. von den Ehrendamen Christine Uhl und Jutta Dung, während der Weinfest-erfahrene Bacchus, Werner Lerdo, seine schützende Hand über die jungen Damen halten wird.

"Da ich schon als Mitglied im Tambour-Corps
die Tradition in Erpel pflege, freue ich mich besonders, auch den Brauch der Weinkönigin aktiv unterstützen zu können", erklärte die 20-jährige Mediengestalterin für Digital- und Printmedien. Dieser Brauch besteht in Erpel seit 1951, als der Junggesellenverein noch das Weinfest organisierte, wie Werner Henneker, der Vorsitzende des Brauchtumvereins in seiner Begrüßungsrede erklärte. Denn das erste Erpeler Weinfest um 1930 feierte man noch ohne Bacchus und Weinkönigin. Damals gab es noch einige wenige Winzer am Fuß der Erpeler Ley. Der letzte gab 1970 den Weinanbau auf.

Der Weinbau stellte über ein halbes Jahrtausend den wichtigsten Erwerbszweig der kleinen Gemeinde dar, so dass der Kurfürst 1424 sogar den Zoll von Linz nach Königswinter verlegte, um in den Genuss der Abgaben für das Erpeler Produkt zu kommen. "Mit unserem Weinfest wollen wir genau an diese Vergangenheit unseres Ortes erinnern, auch wenn es heute in Erpel keinen Winzer mehr gibt", erklärte Henneker.

Foto: Günter Groote
Bacchus Werner Lerdo wird seine schützende Hand über Weinkönigin Sabine I. halten


Weg vom billigen deutschen Massenwein hin zur Qualität der Erzeugnisse aus der Region Mittelrhein, das sei eins der Erfolgsrezepte gewesen, mit denen das Erpeler Winzerfest seit Mitte der 80-er Jahre wieder an Beliebtheit gewonnen habe, führte Bürgermeister Edgar Neustein in seiner Begrüßung aus. "Und wir haben immer sehr schöne Weinköniginnen", rühmte er den weiblichen Nachwuchs der "Alten Herrlichkeit".

Das musste auch die noch amtierende Mittelrheinkönigin Christina Specht aus Nörtershausen/Hunsrück neidlos anerkennen, die die Krönung der lokalen Kollegin vornahm, nachdem die scheidene Weinkönigin Andrea Reifert verabschiedet worden war. Die wünschte ihrer Nachfolgerin mindestens ebensoviel Spaß und Freude während ihrer Amtszeit, wie sie hatte erleben dürfen. Und den wird Sabine I. sicherlich haben, ist sie Feiern vom Tambour-Corps doch ebenso gewöhnt wie die Ehrendame Christine. Denn auch die 25-jährige Justizangestellte ist Mitglied in dem Erpeler Verein, während die 22-jährige Jutta in der Erpeler Prinzengarde tanzt.

Alle drei Damen bevorzugen Wein vom Mittelrhein, die Weinkönig eher den lieblichen, die Ehrendamen halbtrockenen. Diesen zu genießen, werden sie beim Weinfest von Freitag, 14. bis Montag, 17. September sicherlich ausreichend Gelegenheit haben. Gemeinsam mit ihrem Bacchus fiebern sie jedoch bereits heute dem absoluten Höhepunkt entgegen, dem großen Wein- und Blütenfestzug, der traditionell am Sonntag durch die idyllischen Gassen des Ortes ziehen wird, dieses Jahr unter dem Motto: "Erpel am Rhein lädt zum Internationalen Erntedank- und Weinlesefestival ein!"

Text: khd